Theatergottesdienste

Spiegelung Gesicht
Bildrechte Bilddatenbank Fundus

Das Theater im Gottesdienst?

„Alles begann mit der Anfrage, ob nicht am Auferstehungsturm eine Werbefahne für die Produktion »Baumeister Solness« aufgehängt werden könnte. Die Kirche war damit ins Blickfeld des Theaters gerückt und schnell wurde klar, dass Kirche und Theater mehr verbindet als zwei schöne prächtige Gebäude in relativer Nachbarschaft. Theater und Religion stellen beide die Fragen nach dem Leben und versuchen sich beide auf je ihre Weise damit auseinanderzusetzen - das Theater im Dialog mit Künstlern, die Kirche auf dem Hintergrund der biblischen Botschaft. So lag es nahe, Theaterproduktionen auch in den Gottesdienst zu holen, sozusagen als Sprachrohr der modernen Welt. Auch uns als Kirche ist es ein Anliegen nahe an den Menschen zu sein, ihren Fragen nachzuspüren und gemeinsam nach Antworten zu suchen. So ist eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Stadttheater gewachsen.“ (Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel)

„Durch eine Vielzahl von Angeboten öffnet sich das Stadttheater Fürth nach außen, sucht den Dialog zu seinen Besuchern und will eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Projekten und Arbeiten. In der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Auferstehungskirche hat das Stadttheater einen Partner gefunden, mit dem ein reger Austausch bezüglich verschiedener Theaterproduktionen stattfindet. Die Kirche im Fürther Stadtpark, die auch sonst durch verschiedene Ausstellungen und Konzerte ihre Offenheit für Kunst zeigt, nimmt die Themen einiger ausgewählter Stücke aus Schauspiel und Oper im Gottesdienst auf. Mit dialogischer Intention und der biblisch-theologischen Tradition in Predigt, Lied, Musik und Lesungstexten wird versucht, einen etwas anderen Zugang zu dem Thema, das im Theaterstück beleuchtet wird, zu finden.“ (Christof Goger, Stadttheater Fürth)

Im Zusammenhang mit dem Konzept einer offenen Kirche im Stadtpark haben Kirchenvorstand und Hauptamtliche in der Auferstehungsgemeinde in den letzten Jahren das Projekt „Kunst und Kirche“ entwickelt.

Als Kirche im Stadtpark, die schon durch ihre Lage besonders die ästhetischen Sinne der BesucherInnen anspricht, treten wir in diesem Projekt in einen Dialog mit Kunst- und Kulturschaffenden in dieser Stadt. Sowohl Kunst als auch Theologie und Religion beschäftigen sich mit Themen und Grundfragen von Menschen wie Schuld, Gewalt, Liebe, Hoffnung etc. und bieten teilweise sehr unterschiedliche Antworten darauf. Durch Ausstellungen und Gottesdienste mit KünstlerInnen werden diese Fragen aufgenommen, zur Sprache gebracht und in den Horizont des Glaubens gestellt.

Angesprochen werden mit diesen Angeboten neben den KünstlerInnen selbst kulturell und intellektuell interessierte Menschen aus der Stadt Fürth, die sich über Kunst, Musik, Theater, Literatur und Tanz mit den Grundfragen des Lebens auseinandersetzen und an einem vertieften Nachdenken über diese Fragen interessiert sind. Durch das Mittel der Kunst in ihren verschiedenen Spielarten werden dabei besonders die ästhetischen Sinne der BesucherInnen angesprochen und befriedigt.

Theater- und Literaturgottesdienste

Etwa drei mal pro Jahr halten wir im Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Fürth bzw. mit einem Schriftsteller aus der Region besondere Gottesdienste. Bei diesen Gottesdiensten wird eine aktuelle Inszenierung (Schauspiel oder Oper) oder ein bestimmter literarischer Text aufgegriffen. Die nachfolgende Predigt bezieht sich auf die gespielte Szene und legt das Thema des Stückes aus biblisch-theologischer Perspektive aus. Auch ein Tanzgottesdienst zusammen mit dem Ballettstudio „arabesque“ gehörte in diesen Rahmen. Ergänzt werden diese Gottesdienste durch jeweils besondere Musik.

Irene Stooß-Heinzel

 

Sonntag, 17. November 2019 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

„Ist ein groß Not auf Erden kommen.“

Theatergottesdienst mit Szenen aus dem dreißigjährigen Krieg in Franken

Die Ausschnitte aus dem Theaterstück, gespielt von einer Frauentheatergruppe unter der Leitung von Gisela Siemoneit beleuchten Geschehnisse aus dem 30-jährigen Krieg, besonders aus der Gegend um und in Fürth und Nürnberg. Es wird deutlich, wie aus dem Glaubenskrieg ein machtpolitischer Kampf wird und Gewalt immer mehr eskaliert. Dabei steht das Erleben von Frauen im Mittelpunkt.

Nach dem Gottesdienst gibt es bei einem Friedensfest die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

Sonntag, 13. Oktober 2019 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zu „König Ubu“

Die Spielzeit 2019/20 am Stadttheater Fürth beginnt mit Alfred Jarrys 1896 in Paris uraufgeführter Machtposse „König Ubu“ in der Regie von Jean Renshaw und mit Live-Musik von Norbert Nagel. „König Ubu“ wird ein Spektakel mit reichlich politischem Sprengstoff und äußerster Übertreibung.

Schon als 15-Jähriger entwickelte Alfred Jarry aus einem verlachten Physiklehrer in der Provinz die groteske Gestalt Ubu, eine Mischung aus Hanswurst und Massenmörder. Er formte aus diesem Schüler-Scherz ein Theaterstück voller Komik und äußerster Übertreibung, eine groteske Vermengung von Witz und Gewalt. Die Figur ließ den französischen Dramatiker nicht mehr los, auch seine anderen Stücke kreisen um die Machtgier der Ubu-Figur. Der 1873 geborene Alfred Jarry lebte ein kurzes, wildes Leben voller antibürgerliche Exzesse und starb bereits 1907 mit 34 Jahren an Hirnhautentzündung. „König Ubu“ aber machte ihn unsterblich und gilt als Geburtsstunde des modernen Theaters.

Zu Beginn des Stückes wird der gefräßige und im Grunde feige Vater Ubu von Mutter Ubu dazu angestiftet, den polnischen König vom Thron zu stürzen und die Macht an sich zu reißen. Mit Hilfe von Verrätern gelingt der Umsturz. Das Volk jubelt dem ulkigen Emporkömmling zunächst zu, bis er in seiner Gier nach Bereicherung alle Adeligen töten lässt, um an ihr Geld zu kommen, während er allen übrigen Besitz über absurde Steuern der Staatskasse zuzuführen versucht. Wer sich nicht fügt, wird hingerichtet. Russland erklärt schließlich dem Diktator den Krieg, der Ubus Machtrausch bricht.

Das vergangene Jahrhundert kennt viele Ubus. Alfred Jarry zeigt in seiner Groteske, dass der mordende Halunke Ubu im Grunde ein dummdreister Spießer bleibt: geldgeil, jähzornig und kleingeistig. Und dabei wird klar, dass Lächerlichkeit töten kann, aber den anderen, nicht den Lächerlichen selbst. Spuren solcher Tyrannen ziehen sich unübersehbar, quer durch die Geschichte, bis ins Heute.

In Jean Renshaws Inszenierung und der Ausstattung von Alfred Peter werden krasse Bilder und durchgeknallter Slapstick auf das Publikum einprasseln. Die Schauspieler*innen agieren mit artistischer Körperbeherrschung, musikalischem Gespür für Wortwitz und abgefahrenem Monty-Python-Humor. Klarinettist Norbert Nagel und seine Musiker werden mit neuarrangierten Klängen immer wieder live die Handlung kommentieren. Die politisch-gesellschaftliche Bedeutung des Stückes vermischt sich in Jarrys extremer Farce mit einer naiven Lust am Spiel, am Ausreizen der Möglichkeiten.

Im Theatergottesdienst am 13.Oktober wird Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel zu dieser Neuinszenierung in bewährter Weise Stellung nehmen. Wir freuen uns darauf.

Matthias Heilmann, Klaus Thumer

 

Sonntag, 5. Mai 2019 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zum Theaterstück „Für immer schön“ von Noah Haidle

Noah Haidles Theaterstück „Für immer schön“, im Oktober 2017 in Mannheim uraufgeführt, wird jetzt am Stadttheater Fürth neuinszeniert. Schauplatz ist das moderne Amerika, in dem eine einst sehr erfolgreiche Geschäftsfrau das Ende ihrer Karriere nicht realisieren kann und will. Die Haltung des Immer-Weitermachen-Müssens und Nicht-Aufhören-Könnens hat sie so sehr verinnerlicht, dass sie sogar als alte und blinde Frau an ihrem unzerstörbaren Glauben an das Positive festhält. Die thematische Nähe zu Arthur Millers Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ von 1949 liegt klar auf der Hand.

Im Mittelpunkt steht die Kosmetikverkäuferin Cookie Close, die mit Rollkoffer und Stöckelschuhen im Dienste der Schönheit tagein, tagaus von Tür zu Tür zieht. Sie spult ihre Verkaufsfloskeln ab und glaubt unbeirrt an ihren Erfolg. Die Ordnung der Welt ist für Cookie unumstößlich, schließlich lief früher das Geschäft glänzend. Tausende Frauen hat sie zum Kauf von Kosmetika verführt und auch unzählige Männer. Aber Cookie kommt in die Jahre, ihre eigene Schönheit verblasst, die Verkaufsquote sinkt. Doch aufgeben kommt für sie nicht in Frage, im Gegenteil: The show must go on. Obwohl wie bei Millers Willy Loman der Handlungsreisenden in Sachen Schönheit die meisten Türen verschlossen bleiben, lässt sie sich nicht entmutigen, sondern motiviert sich immer wieder selbst.

Noah Haidle, geboren 1978 in Michigan, ist eine der wichtigsten neuen Stimmen unter den Schriftstellern der USA. 2017/18 war er Hausautor am Nationaltheater Mannheim. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Uraufführung von „Für immer schön“. Das bitter-komische Portrait einer von fragwürdigen Idealen getriebenen Frau, das sich zum universellen Abgesang auf das Zeitalter des Neoliberalismus ausweitet, ist eine groteske Komödie – todtraurig und saukomisch zugleich.

Regisseur Maik Priebe inszenierte viele Jahre als Gast am Staatstheater Nürnberg („Die Frau, die gegen Türen rannte“, „Pride“, „Am schwarzen See“, „Odysseus!“), außerdem an den Theatern in Kassel, Münster, Weimar, Heilbronn, Göttingen, Augsburg und am Wiener Burgtheater.

Die Cookie-Rolle spielt Judith van der Werff. Sie war Ensemblemitglied am Schauspiel Essen und den Staatstheatern in Schwerin und Darmstadt, und gastierte u. a. am Deutschen Theater und an der Volksbühne in Berlin, bei den Wiener Festwochen, am Schauspielhaus Bochum, Kassel und Wuppertal. Sie arbeitet seit Jahren mit Maik Priebe zusammen, außerdem mit Regisseuren wie Anselm Weber, Paulus Manker, Roger Vontobel, Markus Dietz, Christina Paulhofer und David Bösch. Neben den Fürther Ensemblemitgliedern Sunna Hettinger und Boris Keil werden auch Nicola Lembach und Willi Wang auftreten, die bis zum Sommer 2018 zum Ensemble des Staatstheaters Nürnberg gehörten.

Am 28. April erläutern beim Theater im Gespräch Maik Priebe, Ausstatterin Susanne Maier-Staufen und Dramaturg Matthias Heilmann Hintergründe zu Werk und Inszenierung. Schauspieler der Produktion lesen einen kleinen Textausschnitt.

Am 5. Mai gestaltet Pfarrer Wolfgang Vieweg gemeinsam mit dem Stadttheater in der Auferstehungskirche im Stadtpark einen Theatergottesdienst zu „Für immer schön“.

Matthias Heilmann

 

Sonntag, 21. Oktober (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zum Theaterstück „Liliom“ von Franz Molnár mit Mutmachlied

“You’ll Never Walk Alone”: alle Fußballfans der Welt kennen dieses Lied. Es stammt aus dem Broadway-Musical “Carousel” (1945) von Richard Rodgers & Oscar Hammerstein. Als Vorlage für “Carousel” diente das Theaterstück „Liliom“ von Franz Molnár – eine Art Kärwa-Abenteuer zwischen Himmel und Erde. Im Theatergottesdienst am 21. Oktober ist eine Szene aus „Liliom“ zu erleben. Passend dazu singen Michael Herrschel und der Liturgische Chor unter Leitung von Sirka Schwartz-Uppendieck Songs aus “Carousel”. “You’ll Never Walk Alone” ist natürlich dabei!

Der Liturgische Chor probt dafür am Donnerstag, 18. Oktober um 18 Uhr im Gemeindesaal.

Seit nunmehr fast 100 Jahren erobert Ferenc Molnars „Liliom“ die Bühnen der Welt. Von Budapest über Berlin bis New York brach der Erfolg des Stücks nie ab. Es gibt viele Verfilmungen des Stoffs, darunter eine 1934 durch Fritz Lang in Frankreich. 1945 hatte das Musical „Carousel“ von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein Molnárs Bühnengeschehen zwischen Märchen und Sozialdrama sogar in eine vollkommen andere Kunstform adaptiert. Passend zur Fürther Kärwa-Zeit wird im Stadttheater Fürth die Saison 2018/19 mit einer Inszenierung dieses Schauspiels durch den Regisseur Barish Karademir eröffnet: Liliom, ein grobschlächtiger Hallodri arbeitet für Frau Muskat, Betreiberin eines Karussells in Budapest – und Lilioms Bettgefährtin. Nachdem dieser seine Chefin für Julie, ein junges Dienstmädchen verlässt, feuert Frau Muskat ihren Liebhaber prompt. Prekär wird die Situation als Julie ungewollt schwanger wird, denn Liliom ist nach wie vor arbeitslos und bekommt einfach keinen Fuß auf den Boden, was sich ebenfalls auf sein Gemüt niederschlägt. Aus seiner Not heraus, lässt sich Liliom von einem Kumpel zu einem Raubüberfall verführen. Auf märchenhafte und doch tragische Art und Weise setzt sich dieses Schauspiel mit dem Spielzeitmotto der Saison, „MehrWertArbeit“, auseinander: Was bedeutet Arbeit und vor allem, was bedeutet es, wenn man keine hat? Außerdem stellt sich die Frage nach welchen Kriterien wir jemanden als „solide“ oder „verantwortungslos“ kategorisieren und ob dies überhaupt möglich ist. Barish Karademir führt bei „Liliom“ zum dritten Mal Regie in Fürth nach den erfolgreichen Inszenierungen „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ und „Geächtet“. Im Theatergottesdienst am 21. Oktober  um 9.30 Uhr in der Auferstehungskirche wird Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel auf die Thematik des Schauspiels eingehen. Dr. Matthias Heilmann

 

Sonntag, 15. April 2018 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zu „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“

Detlev Glanert ist eine Ausnahmeerscheinung unter Deutschlands lebenden Opernkomponisten. Während häufig neue Opern nach der Uraufführung nur selten nachgespielt werden, wird Glanert landauf, landab aufgeführt. Und gerade seine komische Oper „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ ist Glanerts Erfolgsstück schlechthin. Nach Produktionen unter anderem in Halle (Uraufführung 2001) kommt es nun zu einer weiteren Neuinszenierung in Nürnberg–Fürth, in Koproduktion des Stadttheaters Fürth mit der Nürnberger Hochschule für Musik. Bereits 2012 kam es mit „Die drei Wasserspiele“ zu einer ähnlichen Kooperation einer Glanert-Oper im Kulturforum. Jetzt erfolgt die Fortsetzung im Großen Haus. Was macht den Erfolg von „Scherz, Satire…“ aus? Es ist einerseits die Vorlage, ein geistreiches, 1827 in der Biedermeierzeit geschriebenes, bis zur Absurdität witziges, klassisches Schauspiel des Goethe-Zeitgenossen Christian Dietrich Grabbe, dann eine gemäßigt moderne, tonal nachvollziehbare und anschaulich plakative Musik und nicht zuletzt ein Gespür für das richtige „Timing“, was sich hier in einem atemberaubenden Tempo niederschlägt, in dem Glanert das Schauspiel durcheilt. Diese Oper ist in hohem Maße unterhaltsam, was man von vielen neuen Stücken nicht behaupten kann. Was passiert? In eine großbürgerliche Gesellschaft der Biedermeier-Zeit platzt der Teufel hinein, entflohen aus der heißen Hölle, weil dort gerade Putztag ist. Das kann nicht gut gehen, schon weil auf der Erde ohnehin nichts gut geht. Er begegnet vier Naturhistorikern, einem autoritären Schulmeister, der mit PISA-untauglichen Mitteln den blöden Knaben Gottliebchen zum deutschen Nationalgenie heranzüchten will, und dem Umfeld eines Barons, samt kapriziöser Tochter und lauter heiratswilliger, tumber Kandidaten. Auch der dilettantische Dichter Rattengift umwirbt Baronesse Liddy, im Grunde aber nur um sich durch Stand und Vermögen Liddys gesund zu stoßen. Natürlich bringt der Teufel die Gesellschaft gehörig durcheinander, aber die braucht ihn gar nicht, um sich selbst zu ruinieren. Das besorgen sie schon selber. Das Böse ist unter uns. Darüber kann man nur lachen. Die komische Oper nimmt deutsche Beflissenheit, Bildungsdünkel, Wissenschaftsgläubigkeit und Pedanterie satirisch aufs Korn. Mit Dominik Wilgenbus wird ein absoluter Spezialist für musikalische Komödien die beißende Satire inszenieren. Das Dirigat übernimmt Guido Johannes Rumstadt, Kapellmeister am Staatstheater Nürnberg. Im Theatergottesdienst am 15. April wird Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel dem Teufel und den ruinösen Tendenzen der Gesellschaft wirksam Widerstand leisten...

 

Sonntag, 14. Januar 2018  (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)
Theatergottesdienst zu Bert Brechts Schauspiel „Mutter Courage und ihre Kinder“

Zu Beginn des Jahres 2018 wird der erfolgreiche „Luther“-Uraufführungsregisseur Werner Bauer Bertolt Brechts Schauspiel „Mutter Courage und ihre Kinder“ in Fürth neuinszenieren. Die in den ersten Monaten des Zweiten Weltkrieges im Exil geschriebene Chronik ist nach wie vor hochaktuell, weil sie nicht nur die Gräuel einer entmenschlichten Gesellschaft in Folge von Krieg und Gewalt, sondern auch das merkantile Wesen eines Krieges zeigt. Für Bertolt Brecht bedeutet Krieg nichts anderes als die „Fortführung der Geschäfte mit anderen Mitteln“. Weil die kapitalistische Gesellschaft von Kriegen profitiert, wird die herrschende Klasse diesen Weg immer wählen, sofern er sich gewinnbringend und vorteilhaft einsetzen lässt. Skeptisch zeigt sich Brecht darin, ob die Masse als Objekt der Politik aus diesen für sie katastrophalen Konsequenzen lernen wird. Eine rein profitgierige Sicht auf den Krieg hat auch die Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage, deren Weg in Brechts Stück erzählt wird. Die Händlerin Courage zieht ihren rollenden Wagen, immer im Windschatten kämpfender Truppen, mit ihrer stummen Tochter und zunächst auch mit ihren beiden Söhnen durch ein von Schlachten verwüstetes Land. Sie versorgt die Soldaten mit Waren und scheut nicht die Nähe der Frontlinien. Im Gegenteil, sie sieht den Krieg als ihr Geschäft an, das sie sich von niemandem madig machen lässt. Bereitwillig ordnet sie sich den Gesetzen des Marktes unter, weil sie überzeugt ist, mit ihren Geschäften nicht nur die Familie über Wasser halten zu können, sondern sogar „ihren Schnitt zu machen“. Doch es kommt anders. Ihr Sohn Eilif geht zur Armee und tut sich durch rücksichtslose Plünderungen hervor – die ihn in einer Phase des Friedens das Leben kosten, denn wofür man im Krieg ausgezeichnet wird, dafür wird man im Frieden hingerichtet. Und den zweiten einfältigen Sohn Schweizerkas kostet das Feilschen seiner Mutter das Leben. Nach seiner Gefangennahme verhandelt sie so lange über das Lösegeld, bis es zu spät ist. Und die stumme Kattrin stirbt bei dem Versuch, die Bewohner der Stadt Halle durch Trommelschläge vor einem bevorstehenden Angriff zu warnen. Der Krieg macht alle menschlichen Tugenden tödlich, auch für ihre Besitzer, die Rechnung kann für niemanden aufgehen. Mutter Courage verliert an den Krieg, der sie ernährt, alles.

Die Zeitlosigkeit der Vorgänge wird auch in der Fürther Inszenierung von Werner Bauer im Mittelpunkt stehen. Brecht kreiert mit der Courage eine faszinierende gleichzeitig aber auch uneinsichtige, ja geradezu bornierte Figur, eine „Hyäne des Schlachtfeldes“ und vermeintliche Kriegsgewinnlerin, die trotz aller Verluste nicht lernt, wer der wahre Feind ist. Ein wesentliches Merkmal der „Mutter Courage“ ist auch die Musik von Paul Dessau. Unter der Leitung von Norbert Nagel werden fast alle Schauspieler eindringliche Songs zum Thema Krieg zum Besten geben. Die Besetzung besteht in weiten Teilen aus  seit Jahren beliebten Gastschauspielerinnen. Michaela Domes spielt seit 2004 zahlreiche Rollen am Stadttheater Fürth. Auch Frank Watzke, Paul Kaiser, Alexander Höchst, Rainer Appel und Ulrike Fischer sind schon mehrfach im Stadttheater aufgetreten. Im Theatergottesdienst am 14. Januar wird Pfarrer Wolfgang Vieweg auf die Thematik des Stückes aus theologischer Sicht eingehen. Matthias Heilmann, Klaus Thumer

 

Sonntag, 15. Januar 2017 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst „Luther – Rebell Gottes“

Das Lutherjahr startet in Fürth mit einem kulturellen Höhepunkt: Die Inszenierung  des eigens zu diesem Anlass komponierten Musicals „Luther – Rebell Gottes“ im Stadttheater. Am 15. Januar gibt es einen Theatergottesdienst dazu, der den im Musical gezeigten Abschnitt des Lebens Luthers theologisch beleuchtet. Es werden auch Ausschnitte aus dem Musical zu sehen sein.

Der Dramaturg des Fürther Stadttheaters Matthias Heilmann schreibt über die Inszenierung: „Das Stadttheater Fürth beteiligt sich an der Jubiläumsfeier „500 Jahre Reformation“ mit der Uraufführung des Musicals „Luther – Rebell Gottes“. Der Komponist Christian Auer und die Autorin Nina Schneider verdichten das Leben der Legende Luther mit Stilmitteln der Rockmusik aber auch mit kirchenmusikalisch-archaischen Klängen zu einem spannenden Thriller. Die Handlung spielt im Herbst 1530. Martin Luther und seine reformatorischen Ideen zur Erneuerung der Kirche haben viele Anhänger gefunden, er ist aber noch immer ein Geächteter. Der Theologe Johannes Eck und andere Gegner werfen Luther vor, Deutschland zu spalten. Ein Komplott zur Beseitigung Luthers wird geschmiedet. Vor einem geheimen Tribunal erklärt Luther unbeirrt, dass er sein Leben lang nur eines im Sinn hatte: Den Menschen, Gottes Gnade näher zu bringen. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, in dem der große Reformator um sein Leben redet und seinen Weg verteidigt. Das Musical über eine der dramatischsten Epochen der Geschichte beleuchtet wie Luthers Lehren die Welt für immer verändert haben.Im Musical treten wichtige Gestalten im Umfeld Luthers, Fürsprecher und Gegner, auf. Neben Luthers Frau Katharina von Bora spielt sein „Beschützer“ Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen und dessen unentbehrlicher Ratgeber Georg Spalatin eine große Rolle genauso wie Luthers Mentor und väterlicher Freund Johann von Staupitz. Aber auch seine Widersacher wie Papst Leo X. kommen vor.“

Herzliche Einladung zu einem besonderen Gottesdienst!

 

Sonntag, 16. Oktober 2016 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst „Die Jüdin von Toledo“.

Mit einer vom deutsch-kroatischen Autor Kristo Šagor adaptierten Theaterfassung zum Roman „Die Jüdin von Toledo“ von Lion Feuchtwanger beginnt die neue Spielzeit. Feuchtwangers historischer Roman erschien 1954 und greift einen spanischen Skandalstoff über den König von Kastilien Alfonso VIII. auf, der sich für sieben Jahre, alle Politik und Pflichten vergessend, die schöne Jüdin Raquel zur Nebenfrau nahm. Viele Klassiker wie Racine, Lope de Vega oder Franz Grillparzer haben die Geschichte, die in Spanien zur Zeit der Kreuzzüge und des Kampfes der Kulturen zwischen Christen, Juden und Moslems spielt, literarisch aufgegriffen. Aber nur Feuchtwanger beschreibt die Handlung aus jüdischer Sicht und zeigt, dass das Opfer Raquel nur stellvertretend steht für ein ganzes geschundenes und bedrohtes Volk.  Zu Beginn der Handlung siedelt der jüdische Kaufmann Jehuda mit seiner Tochter Raquel aus dem muslimisch beherrschten Sevilla ins christlich regierte Toledo um. Im andalusischen Kalifat hat er gute Geschäfte gemacht, während in Kastilien die Gefahr von Judenpogromen vor allem durch die unbändige Kriegslust des jungen Königs Alfonso VIII. wächst. Da auch die Kirche Alfonso zur Teilnahme am Kreuzzug drängt, muss Jehuda sein ganzes Geschick aufbringen, um den Krieg zu verhindern. Er stellt Alfonso seine schöne Tochter Raquel vor. Sein Plan geht auf. Alfonso, der sich in seiner Ehe mit der englischen Königstochter langweilt, kostet ausgiebig von der Droge Liebe, ist trunken von der Sinnlichkeit Raquels. Die Affäre dient dem Frieden. Jehuda triumphiert und bringt nebenbei auch noch die brachliegende Wirtschaft Kastiliens zum Florieren. Doch die verstoßene Königin, die Kirche und der Hofstaat erachten die andauernde Liaison des Königs mit einer jüdischen Mätresse als Skandal und versuchen Raquel zu beseitigen. Der Stoff, der erotische Besessenheit, politische Winkelzüge, vor allem aber auch religiöse Auseinandersetzungen vereint, erinnert stark an heutige Debatten über das Gefühl der Bedrohung durch das Fremde und der Ausschlachtung der Religion als Munition zur aggressiven Abgrenzung. Der Theatergottesdienst wird in bewährter Weise die Thematik aufgreifen. Matthias Heilmann  

 

Sonntag, 17. Januar 2016 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst „Caligula“

Albert Camus‘ unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs geschriebenes Frühwerk „Caligula“ wird im Stadttheater Fürth im Januar neuinszeniert. Der französische Dichter und Philosoph Camus, der 1957 den Nobelpreis erhielt, orientiert sich dabei an der Geschichte des kurzlebigen römischen Kaisers Caligula (Regierungszeit 37 bis 41 n.Chr.), nimmt seine Herrschaft aber als Symbol für unberechenbare Diktatur allgemein.

Der Tod seiner Geliebten wirft den jungen Kaiser Caligula komplett aus der Bahn. Ungewohnte Härte macht auf einmal aus dem unerfahrenen Herrscher einen unberechenbaren Despoten. Seine Freunde halten anfangs noch zu ihm, werden aber von Caligula zunehmend gedemütigt und bestraft. Keiner wird verschont. Die ganze Welt wird vom nach grenzenloser Freiheit strebenden Kaiser aufs Äußerste herausgefordert. Doch wer soll diesen Caligula stoppen? Und wie?

Das Theaterstück, das gerade in den letzten Jahren immer häufiger neuinszeniert wird, zeigt exemplarisch, wie Diktatoren auch heute noch der Welt wie Fremde gegenüber stehen. Damit liefern sie zugleich ihren Gegnern Waffen an die Hand. Es ist nicht möglich, alles zu vernichten, ohne sich selbst mit zu zerstören.

Durch die Existenz von sinnloser Herrschaft, deren einzige Logik darin besteht, dass es keine gibt, stellt sich auch im 21. Jahrhundert die Frage nach Werten, Normen, Gesetzen und Regeln menschlichen Miteinanders wieder neu.

Regie führt Petra Wüllenweber aus Köln, die erstmals am Stadttheater inszeniert.

Matthias Heilmann

Der Theatergottesdienst am 17. Januar greift die Themen des Stücks auf und beleuchtet sie aus christlicher und biblischer Perspektive. Ein Ausschnitt aus der Inszenierung wird gezeigt.

 

Sonntag, 27. September 2015 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst „Der Tunnel“

Ewald Arenz und Thilo Wolf, in bester Erinnerung als Urheber von „Petticoat und Schickedance“ (2007) und „Bahn frei!“ (2010), schreiben wieder ein Musical für das Stadttheater Fürth. Regisseurin der Uraufführung wird Jean Renshaw sein.

Grundlage ist der 1913 erstmals erschienene Roman „Der Tunnel“ des Fürther Autors Bernhard Kellermann.

Darin verspricht der Ingenieur Mac Allen, mit einer gewaltigen Anstrengung aus neuester Konstruktionstechnik und mit 180.000 Arbeitern, Nordamerika und Europa innerhalb von 15 Jahren durch einen 5000 km langen Tunnel zu verbinden. Der einflussreiche Milliardär Lloyd begeistert andere Großindustrielle für Mac Allans Projekt, während Lloyds Tochter Ethel sich in Mac verliebt. Mac ist allerdings verheiratet und hat eine Tochter. Seine Frau Maud ist zwar stolz auf ihren in der ganzen Welt gefeierten Mann, aber unzufrieden, weil er keine Zeit mehr für die Familie hat.

Mit der Leitung des Atlantik-Tunnel-Syndikats wird die Börsenspekulantin Woolf betraut, eine der reichsten Geschäftsfrauen der Welt. Jeder, der es sich halbwegs leisten kann, erwirbt Anteile am Syndikat. Doch im siebten Baujahr ereignet sich 340 km vom amerikanischen Tunneleingang entfernt eine gewaltige Explosion. Tausende Arbeiter kommen ums Leben und das Syndikat gerät ins Wanken...

Kellermanns Roman sorgte nach der Erstveröffentlichung für eine Sensation. Innerhalb eines Monats wurden 10.000 Exemplare verkauft, nach einem halben Jahr bereits 100.000. Damit gilt „Der Tunnel“ als erster deutscher Bestseller des 20. Jahrhunderts.

Der Theatergottesdienst wird sich mit der Thematik des Musicals eingehen, Dramaturg Matthias Heilmann gibt eine kleine Einführung

 

 

Sonntag, 14. Juni (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zu „Baruchs Schweigen“, eine Kammeroper von Ella Milch-Sheriff

Kann man den Schrecken der Shoah als Oper auf die Bühne bringen? Die israelische Komponistin Ella Milch Sheriff hat es gewagt: Um sich der Vergangenheit ihrer Familie zu stellen, um das Schweigen ihrer Kindheit aufzubrechen, und um die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten.

Was die Zuschauer erwartet, ist ein ebenso beklemmendes wie persönliches Werk: das Vermächtnis, das der Vater der Komponistin seiner Tochter hinterließ. Erst nach seinem Tod habe sie aus den Aufzeichnungen erfahren, „was ihn zu dem Mann machte, den ich zuvor nie verstanden habe“, sagte Ella Milch-Sheriff 2010 kurz vor der Uraufführung in Braunschweig.

Am Stadttheater Fürth wird jetzt die Kammeroper Ella Milch-Sheriffs zum ersten Mal nach der Uraufführung in Deutschland neuinszeniert.

In dem Tagebuch schildert der Arzt Baruch Milch den Verlust seines früheren Lebens durch den Holocaust. Die Nazis brachten seine erste Ehefrau und seinen kleinen Sohn um. Auf der Flucht vor den Deutschen musste er hilflos miterleben, wie sein Neffe vom eigenen Vater aus Angst vor Entdeckung getötet wurde.

Die Oper kreist letzten Endes um die Frage: Wie soll man mit den Geistern der Vergangenheit umgehen? Wie macht man sich die Existenz der verstorbenen Familienangehörigen bewusst, die einem zwar als Geister schon immer begleiteten, deren Geschichten man aber bisher nicht kannte?

 

 

Sonntag, 18. Januar (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst „Die kleinen Füchse“

Zu Beginn des Kalenderjahres 2015 inszeniert Intendant Werner Müller das selten gespielte Schauspiel „Die kleinen Füchse“ der US-amerikanischen  Schriftstellerin Lillian Hellman (1905–84).

Anhand einer Unternehmerfamilie wird der moralische Verfall einer Gesellschaft vorgestellt, die von den Glücksversprechen des Ökonomischen getrieben wird. Neben der ökonomischen Besessenheit, die im Familienclan generell dominiert, zeigt Hellman aber auch ein Unternehmerhaus, in dem Frauen starke Nehmerqualitäten gewinnen. Insofern muss das Wirtschafts- und Familiendrama auch als eine Emanzipationsgeschichte der Hauptfigur Regina gesehen werden.

Regina ist eine etwa 40jährige Bankiersgattin, und sie will der öden Provinz entfliehen. Anders als ihre beiden Brüder Ben und Oscar hat sie aber keine eigenständige Existenz. Wirtschaftlich hängt sie von ihrem Ehemann ab, der gesundheitsbedingt meist im Sanatorium weilt.

Als ein russischer Investor der Familie eine lukrative Beteiligung an einem Unternehmen anbietet, sieht Regina ihre Chance gekommen: Die Brüder benötigen ihre finanzielle Beteiligung. Reginas Mann durchkreuzt aber alle Pläne und entzieht seiner Frau, um ihre Gier zu bestrafen, das nötige Kapital. Um dennoch an sein Geld zu gelangen, hecken die drei Geschwister – jeder für sich und jeder gegen jeden – ein teuflisches Betrugs- und Erpressungsspiel aus.

Der Umgang mit Menschen unterscheidet sich nicht von dem mit Aktien.

Alles ist Ware.

Hellmans Blick für die Auswirkungen des Kapitalismus auf Zwischenmenschliches sorgten in den USA in den 50-er Jahren für zahlreiche Repressalien. Dennoch behauptete sie sich als einzige weibliche Autorin in der US-Dramatik des 20. Jahrhunderts.

„The Little Foxes“ (Originaltitel) wurde ihr größter Erfolg und zeigt Innenansichten des „Raubtierkapitalismus“ in den USA. Nach der Uraufführung1939 am Broadway sorgte 1941 auch die Verfilmung mit Bette Davies in der Hauptrolle für Furore.

 

 

Ewald Arenz hat das 75 Jahre alte Schauspiel für die Fürther Neuinszenierung umgearbeitet und auf die Verhältnisse des 21. Jahrhunderts übertragen.

Im Theatergottesdienst wird Pfarrer Wolfgang Vieweg in einer Predigt auf die Thematik  des Stückes eingehen.

Herzliche Einladung.

Matthias Heilmann, Klaus Thumer

 

 

 

Sonntag, 9. März 2014 (9.30; Auferstehungskirche)
Theatergottesdienst „Die Vermessung der Welt" in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Fürth; Pfarrer Wolfgang Vieweg

 

Die Vermessung der Welt", ein 2005 erschienener, millionenfach verkaufter Roman von Daniel Kehlmann, kommt in einer Bearbeitung von Dirk Engler auf die Bühne des Stadttheaters. Mit Fantasie und viel Humor werden mit Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß zwei bedeutende deutsche Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts in einer Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Größe lebendig.

 

Um 1800 machen sich der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769 - 1859) und der Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß (1777 - 1855) auf den Weg, die Welt zu vermessen.

Ihre Methoden könnten unterschiedlicher nicht sein. Humboldt, der voller Entdeckungsfreude die Welt bereist, kämpft sich durch Urwald und Steppe, kostet Gifte, zählt Kopfläuse, kriecht in Erdlöcher, besteigt Vulkane und begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern.

Und der Misanthrop und Grantler Gauß, der in der Hochzeitsnacht aus dem Bett springt, um eine Formel zu notieren, verharrt im heimischen Göttingen und beweist dort, dass der Raum sich krümmt.

Schon die Kindheit trennt die beiden, was immer wieder in Rückblenden sichtbar gemacht wird. Humboldt erhält Privatunterricht, während Gauß in Armut aufwächst.

Alt, berühmt und ein wenig sonderbar geworden, treffen sich die beiden 1828 in Berlin, verstricken sich aber in die politischen Wirren Deutschlands nach dem Sturz Napoleons.

Mit Fantasie und viel Humor wird das Leben zweier Genies beschrieben: ihre Sehnsüchte und ihre Schwächen, ihre Gratwanderungen zwischen Einsamkeit und Liebe, Lächerlichkeit und Größe, zwischen dem Scheitern und dem Erfolg.

 

 

Sonntag, 19. Januar 2014 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst

 

Henrik Ibsens Schauspiel „Ein Volksfeind" zeigt, wie im politischen Diskurs Überzeugungen und Eigeninteressen aufs Engste miteinander verflochten sind und wie leicht die öffentlichen Stimmungen durch die Medien zu manipulieren sind. Der Autor setzt sich kritisch mit dem Mehrheitsprinzip der Demokratie auseinander und erzählt davon, dass der Kampf für die Wahrheit genauso pervertieren kann wie eine Politik, die sich nur pragmatisch an Sachzwängen und Machtinteressen orientiert.

Am Stadttheater Fürth wird das Theaterstück neu inszeniert vom Intendanten Werner Müller.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Badearzt Doktor Stockmann, der einst an die gesundheitsfördernde Wirkung des Trinkwassers seines Heimatortes glaubte. Dank seiner Initiative wurde die Stadt in ein Kurbad verwandelt und viel Geld investiert, damit die Badegäste strömen.

Doch dann entdeckt Stockmann, dass das Badewasser durch Industrieabwässer verseucht ist. Stockmann hält es für seine Pflicht, die Öffentlichkeit mit einem Gutachten darüber aufzuklären, dass ein Umweltskandal vor der Haustür existiert.

Zunächst hat er die Mehrheit auf seiner Seite. Mit geschickten taktischen Manövern schafft es aber ausgerechnet sein Bruder, der Stadtrat, den Meinungsmachern ins Bewusstsein zu rücken, dass die notwendigen Baumaßnahmen teuer werden würden und dass ein Bekanntwerden der Umweltverschmutzung das Image des Kurortes auf Jahre ruinieren würde. Seiner Argumentation, dass die Kurgäste nicht einer Badestadt die Treue halten, deren Heilwasser gesundheitsschädlich ist, folgen immer mehr Anhänger. Selbst die örtliche Zeitung, die sich dem kritischen Journalismus verpflichtet fühlt, schwenkt um.

Der Konflikt entwickelt sich zu einem unerbittlichen Machtkampf zwischen zwei Brüdern.

Schließlich eskaliert die Situation und Doktor Stockmann wird zum Volksfeind erklärt.

In Ibsens 1883 erschienenem Theaterstück geht es der Hauptfigur längst nicht mehr nur um das verschmutzte Heilbad. Zielscheibe ist die Gesellschaft als Ganzes.

Die Fürther Neuinszenierung folgt einer Bearbeitung von Florian Borchmeyer, Dramaturg an der Schaubühne Berlin, die versucht, Ibsens Themen aus heutiger Sicht zu verhandeln. Parallelen zu diesem Diskurs um Ökonomie und Wahrheit, den Henrik Ibsen vor 130 Jahren bearbeitete, liegen gerade wieder greifbar nah.

Man denke nur an die Darstellung der Kosten der Energiewende, wie mit der Angst vor den Kosten die Angst vor der Veränderung geschürt wird.

Auch aus theologischer Sicht wird das Theaterstück beleuchtet. In der Auferstehungskirche gibt es am 19. Januar einen Theatergottesdienst mit einer Predigt zu den Themen des Stück. Matthias Heilmann

 

 

Sonntag, 21. April 2013

Theatergottesdienst zu William Shakespeare "Maß für Maß"

 

Im April wird ein Stück des Großmeisters aus Stratford am Stadttheater Fürth neuinszeniert. William Shakespeare, der das europäische Theater wie kein zweiter revolutionierte und prägte und deshalb beim Spielzeitmotto „Heimat Europa" nicht fehlen darf, schrieb 1604 mit „Maß für Maß" sein letztes Theaterstück, das er als Komödie überschrieb. Dennoch steht das Werk im Spannungsverhältnis zur Tragödie und enthält bitterböse, politisch-brisante und dennoch komische Ansichten über Recht und Gesetz. Den religiösen Eifer der Puritaner und ihren bigotten Protest gegen die Unmoral der damaligen Gesellschaft hatte Shakespeare vor Augen, als er dieses Werk über Moralvorstellungen und religiösen Fundamentalismus schrieb.

 

 

 

Sonntag, 9. Dezember 2012
"Drei Wasserspiele", so heißt die neue Produktion des Stadttheaters Fürth, mit der es im Rahmen eines Theatergottesdienstes wieder in der Auferstehungskirche zu Gast sein wird.

Komponiert von Detlev Glanert und basierend auf den „Dreiminutenspielen" von Thornton Wilder greifen „Drei Wasserspiele" eine der Grundfragen menschlichen Lebens auf: Wie kann der Mensch in seelischen oder körperlichen Katastrophen Erlösung finden?

In drei Kurzopern wird jeweils ein anderer Aspekt dieser Frage gezeigt: in „Leviathan" diskutiert ein auf dem Meer treibender Prinz mit einer Meerjungfrau die Frage, ob diese eine Seele haben kann. „Der Engel, der das Wasser bewegte" zeigt Kranke, die sich vom Wasser des Teiches Bethesda Heilung erhoffen. Und bei „Der Engel auf dem Schiff" erklären drei Gestrandete eine vom Sturm gerettete Gallionsfigur zum neuen Gott und rufen diese um Hilfe an.

Alle Stücke verbindet das Motiv des Wassers, eines der Ursymbole der Menschen.

Auch im Christentum spielt Wasser eine zentrale Rolle: in seiner zerstörenden, heilenden und rettenden Kraft erkennen wir die Wirkmacht Gottes. Und passend zur Adventszeit erscheinen in „Drei Wasserspielen" auch immer wieder Engel – echte und falsche Engel, Engel, die wirklich retten, und Engel, die benutzt und schnell wieder „weggeräumt" werden, wenn man sie nicht mehr braucht.

Der Gottesdienst wird die im Theaterstück gestellten Fragen aufgreifen und aus biblischer und theologischer Sicht erörtern.

SängerInnen der Produktion, junge Studierende der Musikhochschule Nünrberg, zeigen Ausschnitte aus dem Stück und Matthias Heilmann, Dramaturg des Stadttheaters Fürth, gibt eine kurze Einführung.

Herzliche Einladung zu diesem ganz besonderen Adventsgottesdienst! Ihre Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel

 

- Sonntag, 4. März 2012 Theatergottesdienst zur Uraufführung der Kammeroper „Der starke Wanja" im Stadttheater Fürth

„Der starke Wanja" ist das letzte Werk des im Sommer 2011 verstorbenen Autors Horst Hawemann (1940 – 2011), der das Opernlibretto nach dem Buch „Die Abenteuer des starken Wanja" von Otfried Preußler schrieb. Otfried Preußler (geb. 1923) gehört zu den meistgelesenen Kinderbuchautoren. Welterfolge wie „Räuber Hotzenplotz", „Krabat" oder „Die kleine Hexe" stammen aus seiner Feder.

Die Musik schrieb der Fürther Komponist Peter Fulda, der auch die musikalische Leitung der Produktion übernimmt.

Die Handlung spielt in einem kleinen russischen Dorf. Der Bauernjunge Wanja lebt glücklich bei seiner Tante Akulina. Aber seine beiden Brüder sind sehr verärgert, denn Wanja liegt stundenlang in der Sonne und macht um die Arbeit einen großen Bogen.

Eines Tages erscheint ein alter Pilger bei der Familie und prophezeit dem Müßiggänger, dass er eines Tages Zar werden wird. Dafür müsse er allerdings sieben Jahre schweigend auf dem Ofen verbringen und nur Sonnenblumenkerne essen, bis er stark genug sein werde, um das Dach des Hauses zu heben.

Von Jahr zu Jahr wird er stärker, aber auch die Gehässigkeiten der Brüder werden immer schlimmer.

Nach sieben Jahren macht er sich auf in Richtung der weißen Berge, wo die Zarenkrone auf ihn wartet.

Viele Abenteuer liegen auf seinem Weg, bevor er sein Ziel erreichen kann.

Die Kammeroper vergegenwärtigt, wie viel Kraft und Geduld ein Mensch benötigt, um ein hohes Ziel zu erreichen.

Und der Mut sich Zeit zu lassen, ist in einer schnelllebigen Zeit eine seltene Tugend.

Der Unterschied zwischen Langeweile und lange Weile haben, das Schweigen, die Geduld und das In-sich-Gehen sind durchaus theologische Themen, die Berge versetzen, die Welt aus den Angeln heben oder ein Hausdach anheben können.

So sind der Mut, die Stärke und die Geduld des Bauernjungen Wanja nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene ein nachdenkenswertes Vorbild.

Beim Theatergottesdienst wird auch ein musikalischer Ausschnitt aus der Kammeroper zu hören sein. Matthias Heilmann/Wolfgang Vieweg

 

Sonntag, 16. Oktober 2011 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zu "Max Frisch: Graf Öderland"

Am 16. Oktober findet erneut ein Theatergottesdienst zu einer aktuellen Produktion des Stadttheaters Fürth statt. Zum 100. Geburtstag des Schweizer Schriftstellers Max Frisch inszeniert das Stadttheater das Stück „Graf Öderland", das Max Frisch selbst als seine „ihm liebste und lebendigste Arbeit" bezeichnet hat.

Das Stück zeichnet die Geschichte eines Staatsanwaltes nach, der über der Anklage gegen einen Mörder unvermittelt selbst zum Mörder wird, der mit der Axt durchs Land zieht und alle tötet, die sich seinem Anspruch auf Freiheit entgegenstellen. Auf seinem blutigen Zug durchs Land scharen sich immer mehr Anhänger um ihn, die am Ende die Revolution ausrufen und die Macht im Staat übernehmen. Die vordergründig sinnlose Tat eines Amokläufers wird so zur Anklage gegen gesellschaftliche Zwänge. Das Stück stellt die Frage nach der Notwendigkeit zum Ausbruch aus der bürgerlichen Ordnung und zum gesellschaftlichen Wandel und greift so den Fragen der Generation „Wutbürger" (Wort des Jahres 2010) voraus.

Zwang und Freiheit, Wandel und Veränderung sind die Themen, denen sich auch der Gottesdienst zu diesem Stück stellen wird. Was sagt die Bibel dazu, welche theologischen Antworten können wir zu diesen Fragen finden?

Im Gottesdienst werden Schauspieler eine Szene aus dem Stück spielen, musikalisch gestalten ihn Sirka Schwartz-Uppendieck, Orgel, Kathrin Münten, Kontrabass und Michael Herrschel, Gesang.

 

Sonntag, 8. Mai 2011 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Theatergottesdienst zu „Der Hofmeister" von Bertolt Brecht

In Partnerschaft mit dem Stadttheater Fürth wird Pfarrer Wolfgang Vieweg die Predigt, Lieder, Lesungen und Musik auf die Produktion „Der Hofmeister" von Bertolt Brecht abstimmen. Und auch ein Ausschnitt aus der Neuinszenierung wird Bestandteil des Gottesdienstes sein.

Die Vorstellungen von „Der Hofmeister" im Stadttheater Fürth finden am 7. April (Premiere), am 8., 9. und 12. April, sowie am 10., 11. 12. und 13. Mai 2011 statt.

Die Fassung von Bertolt Brecht nach der Komödie des Goethe-Zeitgenossen Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792) spiegelt auch tagesaktuelle Debatten wider: schlecht bezahlte Lehrer, Eltern, die ihre Kinder nicht verstehen und eine politische Öffentlichkeit, die sich ihre Ratlosigkeit in der Bildungsmisere nicht eingestehen kann.

In „Der Hofmeister" werden diese Diskussionen zur Zerreißprobe für den Lehrer Läuffer, der ein kärgliches Dasein als Hofmeister (Privatlehrer) bei einem adligen Major fristet. Er soll den unmündigen Kindern Leopold und dem schwärmerischen Mädchen Gustchen Manieren und Bildung beibringen.

Die attraktive Gustchen hat ihrem Vetter Fritz Treue geschworen, glaubt sich aber vergessen, als Fritz zum Studium abreist und sich nicht mehr blicken lässt. Das launige Spiel Gustchens bringt Läuffer in Verwirrung. Er wird ihr Ersatzkandidat. Als Gustchen vom Hofmeister ein Kind erwartet, flieht Läuffer zu einem Dorfschullehrer, bei dem er sich zum Preis der Geheimhaltung als Gehilfe verwenden lässt.

Weil er seine Sinneslust als Ursache seiner Misere ansieht, bestraft er sich selbst durch Kastration.

Dem Dorfschullehrer erscheint diese radikale Abtötung als höchste Qualifikation für das Pädagogenamt.

Die ökonomische Schieflage zwischen Herrschaft und Untertan, die Jakob Lenz am privaten Schicksal des Hofmeisters zeigt, hat Brecht aktualisiert, verallgemeinert und den Konflikt zwischen herablassender Herrschaft und unterwürfigem Bürgertum noch verschärft.

Dr. Matthias Heilmann

 

 

 

Sonntag, 30. Januar 2011 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)
Gottesdienst mit Dada-Krippenspiel
In diesem Gottesdienst spielt die Theatergruppe der Volkshochschule Fürth ein Krippenspiel aus der Zeit des Dadaismus. Dazu singt die Stadtkantorei Stücke aus dem Weihnachtsoratorium

Eine Hinführung dazu finden Sie im Gemeindebrief (Monatsgruß Seite 5)

 

2010:

- "Bahn frei", Musikalische Revue zum Eisenbahnjubiläum von Ewald Arenz und Thilo Wolf.

- "Judith", Tragödie von Friedrich Hebbel

 

2009:

- "Heimweh und Verbrechen", Theaterprojekt von Beate Faßnacht und Hilde Schneider auf der Grundlage der Untersuchungen von Karl Theodor Jaspers.

- "Acis und Galatea", Oper von G.F. Händel

 

2007:

- "Aus der Welt", Oper von Uwe Strübing (Musik) und Rainer Fliege (Libretto). Sie beruht auf dem Roman "Das Gänsemännchen" von Jakob Wassermann.

 

2006:

- "Baumeister Solness", Schauspiel von Henrik Ibsen.

 

Literaturgottesdienste:

 

Sonntag, 12. Oktober 2014 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)
Armin Stingl „Lieben und Fallen“
Armin Stingl, in Fürth geborener Grafiker und Autor, ist Fürther mit Leib und Seele. In seiner Wohnung in der Nähe des Fürther Stadtparks kann er über die Dächer der Stadt schauen und mischt sich auch schon mal ein in die Diskussion um Fürths neue Mitte, oder für den Erhalt historischer Bausubstanz, vor allem aber für ein lebenswertes Umfeld in seiner Stadt.
Dass ihn das Leben in all seinen vielen Facetten beschäftigt, merkt man auch seinen Gedichten an:  Es sind „lyrische Gedankensplitter, sinnverspielte Gefühlsmomente, treffsichere Zeitgeistkritik und hochfeine Experimente mit klassischen Formen“, wie Bernd Noack von den NN schreibt. Themen sind das Leben und die Liebe, Beziehungen in all seinen Spielarten, und manchmal einfach nur kurze Momentaufnahmen aus dem Alltag in der Stadt.
Armin Stingl selbst schreibt zu seinem Werk: „Das Buch LIEBEN UND FALLEN ist ein Nebenprodukt eines Gedichtbandes, an dem ich seit 2005 arbeite. Arbeitstitel: Engel im Orbit, ein konzeptueller Gedichtband mit ca. 80 Sonetten und 26 Illustrationen. Der Inhalt: Große, schwer verdauliche Themen, wie Götter, Superhelden, Engel –grausame, wie gute- und außerdem alles was das Universum der Populärkultur zu bieten hat: Vampire, Werwölfe, Hexen, Zombies. Ziel des Unternehmens ist die Würdigung volkstümlicher und pop-kultureller Sujets mit hochkulturellen Mitteln.
Bei der Arbeit daran zeigte sich bald, daß in diesem unter Pathos und Bedeutung ächzenden Projekt für versöhnliche, philanthropische Töne kein Platz war. Diese sind daher in den beiden ausgekoppelten Gedichtbänden zu finden. Bei ANHÄNGER DER SCHWERKRAFT überwiegen Melancholie und Schicksalsergebenheit, bei LIEBE UND FALLEN Keckheit, Wortwitz und literarischer Anspielungsreichtum. Aber auch diese beide Bücher atmen den anarchischen Geist, der dem Engel im Orbit eigen ist.“
Im Gottesdienst werden Texte aus LIEBEN UND FALLEN zu hören sein: Gedankensplitter aus der Beobachtungsgabe eines wortgewandten Sprachkünstlers, Texte über die Liebe in all ihren Facetten, Nachdenkliches über die wahre Liebe, über die Liebe, die Geborgenheit vermittelt, und über enttäuschte und gescheiterte Liebe.
Viel Menschliches und allzu Menschliches kommt hier zur Sprache –unser ureigenes Wesen, wie wir es in jedem Gottesdienst vor Gott bringen.Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel

 

Sonntag, 17. März 2013:

Veit Bronnenmeyer "Infraschall"

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht die Kurzgeschichte des Fürther Autors Veit Bronnenmeyer „Infraschall": Subkontrabass-Balalaikaspielerin Vera, durch einen nuklearen Zwischenfall aus ihrer russischen Heimat vertrieben, kommt zur Arbeitssuche nach Fürth. Die Sache scheint aussichtslos bis eine ungewöhnliche Lösung für ein ungewöhnliches Problem gesucht wird...

Mit viel Witz bringt Veit Bronnenmeyer das Problem der Suche nach Heimat und dem richtigen Platz im Leben zur Sprache. Auch der Gottesdienst wird sich der Frage nach Lebenssinn und innerer Verheimatung widmen.
 

Sonntag, 5. Februar 2012:  

Michael Herrschel "Die Sintflut"

In den verregneten Wintermonaten habe ich eine Erzählung geschrieben, die ich am Sonntag, den 5. Februar in der Auferstehungskirche vorstellen will: „Die Arche im Kristall", frei nach biblischen Motiven. Beim Literaturgottesdienst um 9.30 Uhr lese ich kurze Auszüge. Die Predigt dazu wird Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel halten.

Und am Abend um 17.00 Uhr folgt dann die komplette Geschichte, im Dialog mit spannender atmosphärischer Musik, interpretiert von Sirka Schwartz-Uppendieck auf Orgel und Harmonium: Geheimnisvolles Windrauschen werden wir hören, ebenso auch Vogelstimmen und ein Seemannslied…

Zur Einstimmung hier eine kleine Vorschau auf die Handlung:

Magister Dragon hat ehrgeizige Pläne. Er will ein Schiff bauen, so groß, wie es noch keines gab. Und neue, sichere Häfen: denn die Wetterforscher prophezeien, dass das Wasser an den Küsten steigen wird. Aber Magister Dragon verspekuliert sich: Das Wasser steigt schneller als gedacht. Die Küstenstädte versinken im Chaos, und die Seefahrt bricht zusammen. Magister Dragon macht bankrott. Was wird nun aus seinem kühnen Traum, seinem Schiff? Halbfertig und verwaist steht es in einer Werft, flussaufwärts am Saum des Gebirges. Die Bewohner des benachbarten Dorfes betrachten es mit begehrlichen Blicken. Sie laufen zum Großgrundbesitzer Noach und bestürmen ihn: „Nimm das Ding in Besitz! Lass es uns zu Ende bauen! Hilf uns – sonst ertrinken wir alle!" Noach zögert. Er fühlt sich zu alt für dieses Abenteuer. Aber seine Frau Yonda macht sich bereits auf die Suche nach dem ehemaligen Chefkonstrukteur von Magister Dragon. Er heißt Baruel, soviel weiß sie. Und er lebt ganz zurückgezogen. Wenig später stehen Yonda und Noach vor Baruels Tür – und hinter ihnen eine aufgebrachte Menge, die auf rasches Handeln drängt. Baruel öffnet: ein bedächtiger Mensch, eingesponnen in seine eigene Welt. In Kristallvitrinen hütet er Hunderte von Schiffsmodellen, die er weitschweifig erklären will. Da fliegt ein Stein durchs Fenster. Nur durch einen Trick bringt Noach Baruel soweit, dass er im letzten Moment das richtige Modell mitsamt den Konstruktionszeichnungen herausrückt. Mit dem Mut der Verzweiflung stürzen sich jetzt alle in die Arbeit. Sie ist kaum zu bewältigen. Denn das Schiffsinnere ist so riesig, dass eine ganze Stadt darin Platz hat! Unmengen von Lebensmitteln werden eingelagert, ein Süßwasserspeicher angelegt, und ringsherum sogar ein Park, der vielen Tieren Obdach bietet. Während Noach unter Erschöpfung leidet und bald nur noch schlafen kann, sieht Yonda aus allen Himmelsrichtungen, auf Booten und Flößen, Flüchtlinge herankommen. Sie begehren Aufnahme in das Schiff. Yonda hilft nach Kräften. Die Leute aus dem Dorf protestieren: Sie wollen die Schotten dichtmachen. Aber wie soll das gehen, solange das Schiff nicht fertig ist? Als ein spielendes Kind aus Noachs Familie beinahe in den Fluten umkommt, wird endgültig klar, dass nicht mehr viel Zeit bleibt… Michael Herrschel

 

2010:

 

- "Aria", Michael Herrschel

 

2009:

 

- "Sieben Reiter", Ewald Arenz

 

Tanzgottesdienste:

2012:

 

Sonntag, 22. April 2012 (9.30 Uhr; Auferstehungskirche)

Tanzgottesdienst zur Auferstehung

Ostern erzählt von der Verwandlung des Dunklen in Licht, der Trauer in Hoffnung, vom Tod ins Leben. Es ist ein Prozess, eine Bewegung, die im Tanz sichtbar und nachvollziehbar werden kann.

Die Tänzerin Sophie Habenicht wird im Gottesdienst am 22. April Auferstehung tanzen nach Musik von J.S. Bach.

In Texten und biblischen Geschichten wird der Gottesdienst der Auferstehung in unserem Leben nachgehen. Es musizieren Sirka Schartz-Uppendieck (Orgel) und Michael Herrschel (Klarinette).

 

2010:

- Ballettgruppe des Studio Arabesque zu Bachschen Orgelwerken. Choreografie: Julia Vitez.