Kirche und Sport


„Und was tun Sie für Ihren Körper?“, werde ich hin und wieder gefragt, wenn ich darauf hinweise, dass es nichts schadet, etwas für die Seele zu tun. Wenn ich dann darauf hinweise, dass ich immer noch in der Fußballmannschaft unserer Kirchengemeinde herumkicke, ernte ich oft ungläubiges Erstaunen. „Kirche und Sport schließen sich doch gegenseitig aus. Entweder- oder!“, heißt es dann im Extremfall. Aber ist diese Kombination denn wirklich so skurril? Ich denke nicht, denn es gibt mehr Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und Sport, als man denkt.

Die Eichenkreuz-Sportarbeit der Evangelischen Jugend in ihrer Vielfalt macht mir immer wieder deutlich, dass Kirche und Sport verwandte Institutionen, ja geradezu Geschwister sind, denn es geht beiden um den Menschen, um Gemeinschaft und Verständigung unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder sozialer Position. Es geht beiden um Entfaltung und Entwicklung des Menschen, hin zu einer freien und selbständigen Persönlichkeit.

Kirche und Sport ergänzen einander, halten Leib und Seele zusammen. So kam es in der Geschichte der Menschheit immer dann zu verhängnisvollen Fehlentwicklungen, wenn Leib und Seele isoliert voneinander betrachtet oder gar auseinander gerissen wurden. Aber Leib und Seele sind Gabe und Aufgabe des Schöpfers zugleich.

Die christliche Botschaft braucht die froh machende, erfrischende Bewegung: in der Stille in sich gehen und in sportlich-spielerischer Betätigung aus sich herausgehen.

Die Eingangsfrage "Was tust du eigentlich für deinen Körper?“ ist nur allzu berechtigt. Aber genauso auch die Gegenfrage "Was tust du eigentlich für deine Seele?".

Deshalb ist der Fußball auch nicht mein Leben. Das Leben ist mehr. Aber der Fußball ist ein schönes Stück davon. Viel Spaß bei einer der schönsten Nebensachen der Welt wünscht  Ihnen Pfarrer Wolfgang Vieweg