Philosophieren

Vielleicht kann man Gott über den Wolken spüren?

Kinder philosophieren über Gott und die Welt

 

Viele Fragen und Themen der Kinder sind nicht mit Forschung und Experimenten zu beantworten, da sie Sinnfragen unseres Lebens berühren. „Warum gibt es Jungen?“, „Kann man Liebe messen?“, „Warum lässt der liebe Gott Menschen sterben?“, „Wo waren wir, als wir noch nicht geboren waren?“ – solche Fragen brauchen keine erklärenden Antworten, sondern die Möglichkeit, sich selbst und die Welt besser verstehen zu können.

Die großen Fragen der kleinen Leute stehen im Kindergarten und Kinderhort der Auferstehungskirche im Vordergrund.

 

Seit Januar 2013 treffen sich neugierige und interessierte Kinder regelmäßig, um diese Fragen untereinander zu diskutieren.

Dabei geht es nicht darum, Erklärungen für die Wunder der Welt zu finden. Viel bedeutungsvoller ist es, dass die Kinder sich selbst mit ihrer Welt und ihren Gedanken auseinander setzen.

Die Kinder wollen keine Erklärungen, sie wollen verstehen. Es geht darum, einen Weg für sich selbst zu finden, der einem die Welt verständlich und nachvollziehbar macht.

 

Auch biblische Themen werden in dieser Runde besprochen:

Warum schickte Gott eine große Sintflut? Was nahmen Noah und seine Familie wohl mit auf die Arche?

Dieser Themenkomplex beschäftigte uns beim letzten Treffen.

Schließlich überlege sich jedes Kind, welche drei Dinge es selbst mit auf die Arche nehmen würde.

Was würden Sie mitnehmen?

   Und was nimmt du mit? Zwei Jungen tauschen ihre Überlegungen aus
Die Kinder füllen ein Schiff mit Dingen, die sie auf die Arche Noah mitnehmen würden Und was würdest du mitnehmen

 

 Neugierig geworden? Im Herbst 2013 werden die Themen der Philosophier-Kinder eine Ausstellung im Rahmen von „Kunst und Kirche“ in der Auferstehungskirche bilden.

Barbara Oedt, Hortleitung

Ausstellung "Kinder, Kunst und Kirche"- Kinder philosophieren über Gott vom 22.9.-3.11.2013
Dazu schrieb die Erzieherin folgenden Artikel im Gemeindebrief:

 

Vor einem halben Jahr bildeten sich im Hort und im Kindergarten der Auferstehungsgemeinde drei Philosophiergruppen. Einmal wöchentlich gingen sie verschiedenen Fragen des Lebens und Glaubens auf den Grund. Dabei und auch beim Zeichnen, Malen, Töpfern oder Fotografieren arbeiteten die Kinder ihre Gedanken und Erkenntnisse aus, die nun in der Ausstellung „Kinder, Kunst und Kirche" zu sehen sind.

Die Kinder fragten sich etwa, wie das mit dem Glauben denn so sei: „Warum glauben Menschen an Gott und beten?" oder „Wie stellst du dir Gott vor?"

Auch die Bibel war Gegenstand der Philosophiergruppen: Eine Gruppe befasste sich mit dem Themenkreis Ostern, während eine zweite das Gleichnis vom verlorenen Sohn unter die Lupe nahm. Und mehrere Male wurde über die Geschichte der Arche Noah nachgedacht, anhand des Bibeltextes und unter Verwendung des Kinderbuches „An der Arche um Acht".

Wie kreativ die Kinder hierbei waren, dokumentiert die Ausstellung.

Das Nachdenken über die Welt, Gott, das Verhalten der Anderen und das eigene Tun macht den Kindern großen Spaß. Hier können sie sich auf die Suche nach eigenen Antworten auf ihre Fragen machen. Man tauscht sich aus, hinterfragt eigene Aussagen oder die der anderen und betätigt sich als „Sprachkünstler", wenn es darum geht, Begrifflichkeiten zu klären.

Ein Beispiel hierfür ist die Diskussion, ob die Farbe „grün" zum Begriff „Streit" passt: Maria Clara: „Grün ist die Hoffnung und deshalb passt es gar nicht!"

Ben: „Ja genau! Es heißt ja auch: Alles im grünen Bereich. Deshalb passt es auch nicht."

Noah: „Doch! Weil wenn man sich streitet, ärgert man sich auch. Und dann sagt man ja auch: Ich ärger mich grün und blau."

Die Kinder bestimmten durch ihre Diskussionen selbst das jeweilige Thema.

So wurde aus der Arche Noah eine Diskussion zum Thema Streit, und dann zum Krieg und von dort zu Adolf Hitler. Und plötzlich war ein Gespräch im Gange, das die von Emma (8 Jahre) aufgeworfene Frage „Wie konnte Adolf Hitler so böse sein und viele Menschen umbringen und gleichzeitig in die Eva Braun verliebt sein?" zu beantworten versuchte.

Die philosophischen Gespräche eröffneten den Kindern Raum und Zeit sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, die oftmals in unserer heutigen Gesellschaft keinen rechten Platz mehr haben. Diese Kultur der Nachdenklichkeit, die ernsthafte Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen begeisterte auch uns Erzieherinnen. Oftmals staunend über die Sicht der Kinder auf die Welt war dieses Projekt für uns alle eine große Bereicherung und wir würden uns freuen, wenn wir auch Sie damit bereichern könnten.

Am 22. September startet die sechswöchige Ausstellung mit einem Eröffnungsgottesdienst in der Auferstehungskirche. Neben der Dokumentation gibt es die Möglichkeit thematisch passende Bilderbücher zu betrachten. Und man kann sich auch selbst als Gedanken-, Mal-, oder Sprachkünstler ausprobieren.

Martina Steininger, Erzieherin im Kindergarten „Ein Haus für Kinder und Eltern"